Die Europäische Zentralbank hebt ihren Einlagesatz zum 16. September 2026 auf 2,50 Prozent an, die zweite Anhebung des Jahres nach zuvor 2,25 Prozent seit Juni 2026. Tagesgeld brachte privaten Haushalten im Euroraum im Juli 2026 im Schnitt 0,28 Prozent, Festgeld mit einem Jahr Laufzeit 2,10 Prozent. Baukredite mit einer Zinsbindung von zehn Jahren kosteten 3,36 Prozent.
- Der EZB-Einlagesatz steigt zum 16. September 2026 von 2,25 auf 2,50 Prozent, die zweite Anhebung des Jahres 2026.
- Tagesgeld brachte im Euroraum im Juli 2026 durchschnittlich 0,28 Prozent, Festgeld mit einem Jahr Bindung 2,10 Prozent.
- Baukredite mit zehn Jahren Zinsbindung kosteten im Juli 2026 im Neugeschäft der Banken durchschnittlich 3,36 Prozent.
- Von Juli 2022 bis September 2023 stieg der Einlagesatz von 0,00 auf 4,00 Prozent, dem bisherigen Höchststand.
Der Leitzins steigt zum zweiten Mal in diesem Jahr
Der EZB-Rat hat am 10. September 2026 beschlossen, alle drei Leitzinssätze um jeweils 0,25 Prozentpunkte anzuheben. Ab dem 16. September 2026 gilt für die Einlagefazilität ein Satz von 2,50 Prozent, für die Hauptrefinanzierungsgeschäfte 2,65 Prozent und für die Spitzenrefinanzierungsfazilität 2,90 Prozent. Bis dahin lagen die drei Sätze bei 2,25, 2,40 und 2,65 Prozent, wie seit dem 17. Juni 2026. Es ist die zweite Zinserhöhung des EZB-Rats im Jahr 2026, nachdem die Sätze zuvor zwölf Monate lang unverändert bei 2,00, 2,15 und 2,40 Prozent geblieben waren. Als Grund nennt die EZB die anhaltend hohe Inflation, angetrieben durch den Konflikt im Nahen Osten. Die neue Projektion der EZB-Volkswirte sieht die Teuerung im Jahr 2026 im Schnitt bei 3,0 Prozent, für 2027 bei 2,5 Prozent und für 2028 bei 2,1 Prozent, jeweils über dem Zielwert von 2,0 Prozent. Der Einlagesatz gilt als der für Sparerinnen und Sparer wichtigste der drei Leitzinssätze, weil Banken ihr überschüssiges Geld dort über Nacht bei der Notenbank parken.
Tagesgeld und Festgeld bringen wieder mehr als vor 2022
Wer sein Geld kurzfristig anlegt, profitiert von der Zinswende der vergangenen Jahre deutlich stärker als noch 2021, als manche Banken sogar Verwahrentgelte verlangten. Im Neugeschäft der Banken im Euroraum lag der Zinssatz für täglich fällige Einlagen privater Haushalte, also klassisches Tagesgeld, im Juli 2026 bei durchschnittlich 0,28 Prozent und damit unverändert zum Vormonat. Einlagen mit einer vereinbarten Kündigungsfrist von bis zu drei Monaten brachten 1,18 Prozent. Festgeld mit einer vereinbarten Laufzeit von bis zu einem Jahr rentierte mit 2,10 Prozent, ein Plus von 7 Basispunkten gegenüber Juni 2026. Zum Vergleich: Unternehmen erhielten im gleichen Monat für täglich fällige Einlagen im Schnitt 0,60 Prozent und für Einlagen mit vereinbarter Laufzeit 2,26 Prozent, weil Banken größere und langfristig gebundene Summen in der Regel höher verzinsen. Die Zahlen stammen aus der monatlichen MFI-Zinsstatistik, die Europäische Zentralbank und Deutsche Bundesbank gemeinsam veröffentlichen und die alle neu abgeschlossenen Verträge einer Bankengruppe erfasst, gewichtet nach Volumen.
Bauzinsen bleiben trotz Zinswende auf hohem Niveau
Wer eine Immobilie finanziert, zahlt 2026 spürbar mehr als in der Nullzinsphase bis 2021, als Baukredite teils unter 1,0 Prozent zu haben waren. Im Neugeschäft der Banken im Euroraum kosteten Wohnungsbaukredite an private Haushalte mit variabler Verzinsung oder einer Zinsbindung von bis zu einem Jahr im Juli 2026 durchschnittlich 3,69 Prozent. Bei einer Zinsbindung von einem bis fünf Jahren lag der Zinssatz bei 3,57 Prozent, bei fünf bis zehn Jahren bei 3,73 Prozent. Die in Deutschland besonders gefragte Zinsbindung von mehr als zehn Jahren, umgangssprachlich Bauzinsen genannt, verteuerte sich leicht auf 3,36 Prozent, ein Plus von 2 Basispunkten gegenüber Juni 2026. Das Neugeschäftsvolumen dieser langfristigen Kredite lag im Juli 2026 bei 43,21 Milliarden Euro im gesamten Euroraum. Konsumentenkredite waren mit durchschnittlich 7,60 Prozent deutlich teurer, weil sie meist unbesichert vergeben werden. Der gewichtete Indikator für alle Wohnungsbaukredite zusammen lag bei 3,54 Prozent und blieb gegenüber dem Vormonat weitgehend stabil.
So setzt sich der Leitzins aus drei Sätzen zusammen
Der Begriff Leitzins steht vereinfachend für drei unterschiedliche Sätze, die der EZB-Rat gemeinsam festlegt. Der Zinssatz für die Einlagefazilität bestimmt, wie viel Banken für Geld erhalten, das sie über Nacht bei der Notenbank parken, und gilt seit Jahren als der eigentliche Steuerungssatz der Geldpolitik. Der Hauptrefinanzierungssatz legt fest, zu welchen Kosten sich Banken regelmäßig Zentralbankgeld leihen können. Der Spitzenrefinanzierungssatz ist die teuerste Möglichkeit für Banken, sich kurzfristig über Nacht Geld zu beschaffen, wenn keine andere Quelle verfügbar ist. Der Abstand zwischen den Sätzen wurde am 18. September 2024 verändert. Seither beträgt der Abstand zwischen Einlagesatz und Hauptrefinanzierungssatz nur noch 0,15 Prozentpunkte statt zuvor 0,50 Prozentpunkte, der Abstand zum Spitzenrefinanzierungssatz blieb bei 0,25 Prozentpunkten. Mit der Änderung wollte die EZB den Geldmarkt enger an ihren Leitzins binden. Seit der ersten Anhebung nach der Nullzinsphase am 27. Juli 2022 hat der EZB-Rat die Leitzinsen mehrfach verändert, zuletzt am 10. September 2026 mit Wirkung zum 16. September 2026.
| Datum der Änderung | Einlagesatz | Hauptrefinanzierungssatz | Spitzenrefinanzierungssatz |
|---|---|---|---|
| 27.07.2022 | 0,00 % | 0,50 % | 0,75 % |
| 20.09.2023 | 4,00 % | 4,50 % | 4,75 % |
| 12.06.2024 | 3,75 % | 4,25 % | 4,50 % |
| 18.09.2024 | 3,50 % | 3,65 % | 3,90 % |
| 11.06.2025 | 2,00 % | 2,15 % | 2,40 % |
| 17.06.2026 | 2,25 % | 2,40 % | 2,65 % |
| 16.09.2026 | 2,50 % | 2,65 % | 2,90 % |
Häufige Fragen
Wie oft ändert die EZB ihre Leitzinsen?
Der EZB-Rat trifft geldpolitische Entscheidungen alle sechs Wochen, achtmal im Jahr. Nicht bei jeder Sitzung ändern sich die Sätze. Zwischen Juni 2025 und Juni 2026 blieben die Leitzinsen zwölf Monate unverändert bei 2,00 Prozent, bevor 2026 zwei Anhebungen um jeweils 0,25 Prozentpunkte folgten.
Warum bekommen Sparer weniger Zinsen als Kreditnehmer zahlen?
Banken verdienen an der Differenz zwischen Einlage- und Kreditzinsen, der Zinsmarge. Im Juli 2026 lag der Zinssatz für Tagesgeld privater Haushalte im Euroraum bei 0,28 Prozent, während Baukredite mit zehnjähriger Zinsbindung 3,36 Prozent kosteten, ein Abstand von gut drei Prozentpunkten.
Was ist der Unterschied zwischen Tagesgeld und Festgeld?
Tagesgeld ist täglich verfügbar und wird variabel verzinst, im Juli 2026 im Euroraum mit durchschnittlich 0,28 Prozent. Festgeld bindet das Geld für eine feste Laufzeit, meist zwischen einem Monat und mehreren Jahren, und brachte bei einjähriger Bindung im selben Monat 2,10 Prozent.
Wirken sich die Leitzinsen sofort auf Bauzinsen aus?
Nein. Bauzinsen orientieren sich vor allem an Renditen langlaufender Staatsanleihen und Pfandbriefe, nicht direkt am Leitzins der EZB. Die Zinsen für Wohnungsbaukredite mit zehnjähriger Zinsbindung bewegten sich im Juli 2026 mit plus 2 Basispunkten deutlich langsamer als der Leitzins mit plus 25 Basispunkten im September 2026.
Was war die Nullzinsphase?
Von 2014 bis Juli 2022 lag der Einlagesatz der EZB bei null oder darunter, zuletzt bei minus 0,50 Prozent. Am 27. Juli 2022 hob der EZB-Rat die Leitzinsen erstmals seit 2011 an und beendete damit die Phase der Negativzinsen in der Eurozone.
Quellen
- Europäische Zentralbank, Geldpolitische Beschlüsse, Pressemitteilung vom 10. September 2026. ecb.europa.eu Abruf 2026-09-13
- Europäische Zentralbank, Geldpolitische Beschlüsse, Pressemitteilung vom 11. Juni 2026. ecb.europa.eu Abruf 2026-09-13
- Deutsche Bundesbank, MFI-Zinsstatistik für den Euroraum: Juli 2026. bundesbank.de Abruf 2026-09-13
- Europäische Zentralbank, Geldpolitische Beschlüsse, Pressemitteilung vom 14. September 2023. ecb.europa.eu Abruf 2026-09-13
- Europäische Zentralbank, Änderungen am geldpolitischen Handlungsrahmen. ecb.europa.eu Abruf 2026-09-13
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